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Auf den Strassen
Keralas

30. Mai 2014 – Ankunft in Thiruvananthapuram und Weiterfahrt nach Alleppey

Die reine Flugzeit von Delhi über Mumbai nach Thiruvananthapuram (Trivan-drum) betrug vier Stunden. Schon beim Sinkflug über Kerala sah ich die atemberau-bende Malabarküste, auch Pfefferküste genannt, sowie die im Morgenlicht schimmern-den Seen und Wasserstrassen der Mangrovenwälder. Die Backwaters waren zum greifen nahe und doch sollte es noch ein paar Tage dauern bis ich mittendrin war. 

 

Die Landung war sanft und Kerala begrüsste mich mit einem freundlichen Namaste. Nun galt es, mich zuerstmal mal im Bundesstaat Kerala zurecht zu finden. Es ist neues Terrain für mich, Südindien ist das pure Gegenteil von Nord- oder Mittelindien. Der Airport ist beschaulich und überschaulich, ein paar checkpoints und schon verliess ich die Komfortzone der AC-Zone und das Schwitzen begann.

 

Mit meinen Rucksack stand ich nun da und wusste nicht wohin. Hunderte Augenpaare richteten sich auf mich, denn weit und breit kein westlicher Tourist mit dem ich meine ausgelöste Aufmerksamkeit hätte teilen können. Ich bemerkte, die Sprache war anders als in Delhi wo ich 10 Tage war. Malayalam, sie wird von 33 Millionen Keralaner gesprochen und ist nah der Tamil Sprache. Und was mir sofort aufviel, der Sound of India ist bei mir angekommen, die Hupkonzerte tönten wie Heavey Metal in meinen Ohren und ich wusste, ich bin immer noch in Indien.

 

Nun aber los, die Sonne brennt runter und irgendwie muss ich das 135 Kilometer entfernte Alleppey erreichen. Aber wie, um tausend Götters Willen, wo finde ich den Busbahnhof? Die Anwort lieferte mir eine freundliche Dame am Tourist Information Point. Ruck Zuck organisierte sie mir ein klimatisiertes Taxi das mich für umgerechnet 3 Schweizer Franken in den 15 Kilometer entfernte Busbahnhof brachte. Die Fahrt war spannend, der Fahrer ein wandelndes Wörterbuch. Mit unzähligen Fragen wurde ich bombadiert, viele davon konnte ich nicht verstehen, denn der Mix zwischen Malayalam und Englisch war undefinierbar und trotzdem hatte ich das Gefühl, wir haben uns ver-standen. 

 

Am Busbahnhof angekommen stand ich in einer wartenden Schlange Menschen die ebenfall ein Busticket lösen wollten. Und wieder, viele Augen waren auf mich gerichtet. Mit einem freundlichen Lächeln und ein paar netten Worte schaffte ich es, dass ich an den Wartenden vorbei gelots wurde und ich als einer der ersten mein Ticket bekam. 135 Kilometer für 1.50 CHF und noch der Logenplatz neben dem Busfahrer, ja da kann man nicht mehr viel dazu sagen und die Reise kann beginnen.

 

Der Logenplatz jedoch entpuppte sich als der Adrenalinsitz. War das vieleicht der Grund für das günstige Ticket? In den drei Stunden – solange dauern 135 Kilometer in Kerala – habe ich einige Videos aufgenommen in der Hoffnung, ich könne sie danach mit einem zweiten Adrenalinschub in Ruhe anschauen. Gefühlte drei Tode starb ich auf einem Kilometer Busfahrt. Nicht nur einmal schloss ich die Augen und wartete auf den Frontalcrash. Die Fahrakrobatik auf indischen Strassen sind mit Worten kaum zu beschreiben. Aber man stelle sich vor, der Bus ist älteren Modells, für die Wartung ist vielleicht nicht genügen Geld vorhanden, die Pneus sind Sliks und der Fahrer hat Rennfahrerambitionen. Mit 80 km/h und mehr durch Dörfer und Städte, innerörtliche Überholmanöver mit PW's oder sogar mit anderen Bussen, die Entgegenkommenden auszubremsen, diese zu zwingen die geteerten Strassen zu verlassen, millimeter-genau an Motorbikefahrern vobei zu zischen, ja das sind Busfahrer mit Garantiefaktor für Bluthochdruck.

 

Mit der Zeit findet man sich mit der stetig lauernden Gefahr eines Crashes ab, nicht zuletzt deshalb, weil die Hitze im inneren des Busses dich betäubt. In diesem Moment fluchte ich über meine Entscheidung, das billigste Ticket gebucht zu haben. Bei 45° und mehr versuchte ich jedes Lüftchen, ausgelöst durch den Fahrtwind zu erha-schen. Also lieber Busfahrer sagte ich jammernd zu mir, tritt feste aufs Gas.

 

Wir fuhren parallel zur Malabarküste in nördlicher Richtung. Vom Indischen Ozean sah ich jedoch bisweilen nichts. Was ich sah war buntes treiben überall, Menschen-massen, vergleichbar mit einem Waldameisenhaufen, kreuz und quer überquerten sie die Strassen und versuchten sogar die Busse auszubremsen. Das Karma dieser Kultur lässt dies zu. Der Tod ist allgegenwärtig, der Sensemann überall, aber die Menschen trotzen den Widrigkeiten des Strassenverkehrs. Ich sehe Moscheen, ich sehe Kirchen, sehe buddhistische Tempelanlagen und viele viele, hinduistische Religionsstätten. Erst Tage später erfuhr ich, dass in Kerala alle Glaubensrichtungen friedlich zusammen leben, ja, dass man sich gegenseitig zuhause einlädt. Ein Paradebeispiel an Zu-sammenhalt, was mich tief beeindruckte. 

 

Endlich, eine Pause wird eingelegt. Der Stop an einer Raststätte war überfällig. Ich bin durstig und brauche dringend kühles Wasser. Reges Treiben, jeder will seinen Einkauf tätigen bevor es weitergeht. Ich rieche und sehe unbekanntes Essen. bin mir aber sicher, alles ist frisch und vegetarisch. Natürlich muss ich das eine oder andere probieren. Indiens Kochkunst ist legendär, waren es doch die Inder, welche die vegetarische Küche durch ihre Immigration in andere Länder salonfähig machten.

 

Weiter gehts, mit Bleifuss dem Ziel Alleppey entgegen. Es wurde immer heisser und unerträglicher und endlich, ein paar U-Turns später und der Bus hält an einem Bus-bahnhof. Ich fragte einen Mitreisenden ob dies Alleppey ist. Er verwies mich an einen jungen Mann der Englisch sprach und er bestätigte mir, dass ich in Alappuzha bin. Alappuzha, nicht in Alleppey? fragte ich ihn verwirrt. Er lachte und meinte, dies wäre dieselbe Stadt. Die Keralaner nennen sie Alappuzha. Wow ich war happy, ich war verschwitzt, müde, der Hintern tat weh. Und nun um 11 Uhr, stand ich im Vorzim-mer der Backwaters. 

 

Aber wie weiter, ich brauchte eine Unterkunft. Ich stand ahnungslos am Busbahnhof und suchte mir einer Richtung aus um die Suche zu beginnen. Keine 50 Meter und es sprach mich ein 'vermeintlicher Schlepper' an. Er drückte mir eine Visitenkarte in die Hand. Darauf sah ich ein wunderschönes modernes Haus und er meinte, dies wäre doch die perfekte Location für meinen Aufenthalt hier in Alleppey. Seriöser Schlepper, unseriöser Schlepper? fragte ich mich leise. Aber seine Freundlichkeit überzeugte mich und wir stiegen ein in eine Motorikscha und nach 10 Minuten Fahrt war ich endlich angekommen. 

 

Mathew, der Besitzer eines tollen Hauses begrüsste mich, zeigte mir das Haus und meinte, fühle dich hier wie Zuhause. Ich wollte die Zeche im voraus bezahlen, aber das lehnte er ab, dies würden wir dann vor meiner Abreise machen. So kam es dann auch. Zehn Tage Aufenthalt in Alleppey in einem grossem Haus, AC, WiFi, gemie-tetem Motorroller, Benzin, Essen, Exursionen, Bus- und Zugfahrt usw. kosteten mich 220 CHF. Also, sage und schreibe 22 CH pro Tag. 

 

Mathew habe ich liebgewonnen, er wurde zu einem Freund. Wir stehen in Kontakt und ich werden ihn bald wieder besuchen.

 

Alleppey und ihre Backwaters wurden für mich zu einer Traumdestination, ein Stückchen heile Welt, in einer Welt die doch so viele Probleme hat. God's Own Country, wie die Keralaner ihren Bundesstaat llebevoll nennen erhält von mir Prädikat SEHR WERTVOLL.

Schreib Mathew

eine E-Mail.

Er wird sich freuen, dich als Gast begrüssen zu dürfen. 

Brown Residency

Cullen Rd, Sea View Ward,

Alappuzha, Kerala 688001 India

+91 98460 12061

mathewbrownalpy@yahoo.co.in

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