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GOTT IST ÜBERALL

AUCH IN ALLEPPEY

REISETAGEBUCH

Keralas Christen

1. Juni 2014 – Das Christentum in Kerala

2.3% Christen bevölkern Indien, wobei 20% davon in Kerala leben. Runter gebrochen auf Kerala sind dies 5'980'000. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man immer wieder bunt bemalte Kirchen vorfindet. Sicherlich sind sie nicht mit den westlichen Kirchenarchitektur vergleichbar, aber Spirituell stehen sie unseren in nichts nach.

 

Früh morgens, an einem Sonntag dem 1. Juni sattelte ich meinen Motorroller, fuhr zur nächstgelegenen Tankstelle und füllte den Tanke bis ans Limit. Sicher ist sicher, denn der Spruch Wer sein Fahrzeug liebt der schiebt gilt nicht für mich. Dann noch schnell vis à vis zum Wasserhändler ein paar Liter versiegeltes Wasser kaufen. Nun bin ich fit, mich in den Strassenverkehr zu stürzen. Es ist noch relativ ruhig, wenig Leute auf der Strasse, die wenigen aber sind top gestylt, schick bekleidet und auf dem Weg zur Kirche. 

 

Sehr gemächlich fuhr ich an ihnen vorbei, ihre Blicke waren mir sicher. Die Kinder winkten mir zu und riefen Good Morning Sir, ich erwiederte ihren Gruss mit einer netten Handgeste. Ja, der Tag fing für mich sehr befriedigend an.

 

Ich fuhr die Cullen Road westlich entlang bis zur Alleppey Beach, danach südlich der Beach Road entlang. Bald endete die geteerte Strasse und es fing an off road zu werden. Mit einem Motorroller nicht immer einfach. Zur linken und rechten viele kleine Häuschen oft nicht grösser als eine Autogarage in der wir unser Auto parkieren. Ich bin im Fisherman's Village. Schmale Strasse, spielende Kinder, Mama, Papa und Grosseltern vor dem Haus, Hunde die mich argwöhnisch beobachten. Good morning Sir, Good morning Sir und nochmals Good morning Sir. So oft wie ich begrüsst wurde konnte ich gar nicht antworten. Kinder sprangen vor meinen Motorroller, zwangen mich zu stoppen nur um mit mir, einem Unbekannten, ein paar Minuten sprechen zu dürfen. Unglaublich diese ehrliche Neugier und Freundlichkeit.

 

Ein paar hunder Meter weiter das gleiche Spiel, zwei süsse junge Mädchen hielten mich an, sprachen mich auf Malayalam an, aber ich verstand kein Wort. Ihre Augen glänzten, ja sie lachten mir entgegen, ihre Gesichter Bronzefarbig, wunderschöne weisse Zähne. Einfach nur charming smile, charming pur. Sie nahmen mich an die Hand und führten mich zu ihrem Elternhaus was nur 20 Meter entfernt war. Vater, Mutter, Oma und Opa erwarteten mich bereits. Der Vater, ein junger Vater, vielleicht 35 Jahre alt sprach gutes indisches Englisch. Er erzählte mir, dass er nur zu Besuch ist, dass er in Mumbai arbeite und seine Kinder 1 bis 2 Mal im Jahr sieht. Die wirtschaft-liche Lage in Kerala lässt ihn kein Geld verdienen. Sein Vater, also der Opa der zwei süssen Mädchen sei ein verarmter Fischer, hätte kaum Einkommen und oft nichts zu essen. Er würde die Familie mit seinem Einkommen aus Mumbai unterstützen. Die zwei Mädchen smilten mich non stop an und wollten, dass ich Fotos von ihnen mache.

 

Noch so gern habe ich dies gemacht. Auf einmal kam die Oma und bat mich ins Haus zu kommen. Haus ist weit hergeholt, der Grundriss vielleicht  4 auf 4 Meter. Wir saasen eng beieinander und der Vater der Kinder beschrieb das Leben seiner Familie. Auf einmal, die Oma kam und bot mir einen Masala Chai mit zuckersüssen getrocknenten Bananen an. «Selbst gemacht,» sagte sie und war stolz darauf mich bedienen zu dürfen. Nach ca. einer Stunde und vielen unterdrückten Tränen verabschiedete ich mich und fuhr um die nächste Kurve um dort anzuhalten, um meinen Tränen endlich freien Lauf zu lassen. Das erlebte ging mir unter die Haut. Zum Glück habe ich die E-Mail Adresse vom Vater der Kinder und der Ort wo sie leben ist bei mir im Kopf als eine Map gespeichert. Dies ist wichtig, denn ich habe mir geschworen, dieser Familie will ich helfen. Mein persönliches Charity Projekt werde ich umsetzen und dies hier auf vagabond.click dokumentieren.

 

Ich fuhr vielleicht 700 Meter weiter, als ich zur Linken, 100 Meter von der Strasse hineinversetzt im letzten Moment, eine prächtige Kirche sah. Ich bremste, drehte um und führ den Sandweg Richtung Kirche. Für den leidgeplagten Motorroller suchte ich ein schattiges Plätzchen, befreite mich vom Motorradhelm und lies mich von der farbenpracht der Kirche beeindrucken. Vor der Kirche standen drei, in schneeweiss gekleidete Indische Nonnen. Hätten sie Flügel gehabt, wären sie Engel. Sie winkten mir zu, dass ich zu ihnen kommen solle. Herzlich, ja fast göttlich wurde ich begrüsst. Ein reges Gespräch ergab sich, bis auf einmal der Pfarrer vor mir stand und mich begrüsste. Er hielt eine Messe in der Kirche, unterbrach diese jedoch als er von einer Person informiert wurde, dass vor der Kirche ein Ausländer ist. Er bat mich, der Messe beizusitzen, mich den Gläubigen vorzustellen. Mein Puls stieg etwas an, denn in einem Gotteshaus vor Gottesgläubigen zu treten, das war für mich neu. Und was ich in diesem Moment vor der Kirche noch nicht wusste, es erwarteten mich beinahe ausschliesslich, Frauen.

 

Was für eine Ehre, ich durfte neben dem Pfarrer Platz nehmen, also mit direkten Augenkontakt zu den Frauen. Und wie überall in Kerala, alle Blicke waren auf mich gerichtet. Und wer Indien kennt, der wird es bestätigen, ein Blickkontakt kann minutenlang andauern. Als Mann, von einer oder mehren Frauen minutenlang in die Augen geschaut zu werden, das kann sehr verlegen machen. Aber in Indien, ich hab es mittlerweile gelernt, habe ich diese Scheu abgelegt und erwidere die Blicke mit gleicher Hartnäckigkeit. 

 

Der Pfarrer, ein studierter Theologe stellte mir seine Fragen auf Englisch und ich antwortete ihm auf Englisch. Danach übersetzte er meine Antworten auf Malayalam, denn die Frauen waren des englischem nicht mächtig. Auf einmal, ganz schüchtern kam eine junge Frau mit einer Schale selbstgebackenen Kekse auf mich zu und übergab mir diese. Die Kekse riechten fantastisch nach indischen Gewürzen.

 

Dies tolle Geste nutzte ich und spontan sprach zu den Frauen

:

«Ich bedanke mich bei euch für dieses Gastgeschenk, es macht mich überaus stolz dieses Geschenk entgegen nehmen zu dürfen. Aber ich muss euch darauf hinweisen, meine Frau zuhause hat mich gewarnt, nicht mit mehr Kilos zurück zu kommen als gegangen bin.»

 

Meine Gesichtsmimik lies ich dazu spielen, strich über meinen Bauch und das Gelächter und Gekichere war kaum zu stoppen als der Pfarrer es übersetzte. Das Eis war gebrochen, ich eroberte soeben die Herzen der Frauen.

 

Kurze Zeit später sollte ein junges Mädchen für mich ein Kirchenlied vorsingen. Vor Angst und Nervosität rannte sie mehrmals aus der Kirche und mehrmals wurde sie zurück geholt. Sie schaute mir jedesmal ängstlich in die Augen und sie tat mir leid. Ich ermutigte sie dennoch, mir das Kirchenlied vorzusingen. Sie nahm all ihre Kraft zusammen und versuchte es so gut es ging, das Lied zu singen. Auf dem Video hört man ihre Nervosität. Aber das ist Nebensache, sie war mutig und hat es getan. Nach dem Lied, habe ich sie nicht mehr gesehen, ich glaube, sie musste sich in einer stillen Ecke vom Schreken erholen.

 

Nach der Messe lud mich der Pfarrer ein, sein im Rohbau befindliches Pfarrhaus zu besichtigen. Wir plauderten noch eine Weile über Gott und die Welt. Wir tauschten unsere Kontaktdaten aus und ich wusste, dieses Gotteshaus möchte ich unterstützen, denn diese Kirchgemeinschaft unterstützt sich gegenseitig in ihrer Armut. Der Pfarrer, so erlebte ich ihn in der Kürze der Zeit, ist ein liebevoller Pfarrer der seinen Schäfchen die nötige Hilfe und Rückhalt gibt.

 

Weiter ging es, Stunden um Stunden mit dem Motorroller, viele viele weitere Kirchen sah ich auf meiner Tour durch Alleppey und Alleppey's Umgebung. 

 

Müde von der Hitze des Tages, müde auch vom Erlebten aber total glücklich kam ich am späteren Nachmittag in meinem Gästehaus an wo mich Mathew begrüsste und wissen wollte, ob alles in Ordnung ist. Wie immer in den vergangenen Tagen nahm er sich die Zeit, meinen Geschichten zuzuhören. Er freute sich an diesem Tag besonders

über meine Geschichten, nicht zuletzt deshalb, weil auch er Christ ist.

 

Ein Tag auf Gottes Spuren – ein Erlebnis der spirituellen Art.

Schreib Pfarrer 

Fr. Antony Karukaparambil  

eine E-Mail.

Auf eine Spende wird er sich sehr freuen. 

Direktor, Holy Childhood Association Immaculate

Virgin Mary Chapel

Arappackal, Vadackal P.O

Alleppey, Kerala, 

688001 India

+91 9846389003

antokaruka@yahoo.com

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