© by vagabond.click

  • Facebook Social Icon
  • YouTube Social  Icon

 SONNE 

 SAND 

 UND MEER 

REISETAGEBUCH

Es gibt kein
Zurück

Ein Jahr in The Gambia – Meine Erfahrungen

1/5

Als ich am 29. Juni 2018 nachts um 1:30 Uhr das erste Mal gambianischen Boden betrat, hatte ich nicht die geringste Ahnung, dass dies der Aufbruch meines Expat-Lebens werden sollte. Ehrlich gesagt, The Gambia, wie es offiziell genannt wird, war nicht auf meiner abzuarbeitenden Reiseliste. Was für ein Irrtum!
 

The Gambia ist mit einer Fläche von 11'295 km² beinahe viermal kleiner als die Schweiz (41'285 km²) und ist damit der kleinste Flächenstaat Afrikas. Das Land ist so klein, dass es als Tourismusland kaum wahrgenommen wird und wenn, dann doch nur als die Sexhochburg für weisse Frauen aus aller Welt. Ich bin diesbezüglich weder konservativ, noch verklemmt oder gar ein Moralapostel, sondern ich bin der Meinung, wenn es für Männer das Thailand, das Brasilien, die DomRep oder Kenia geben darf, so darf es für Frauen The Gambia geben. Nicht wenige haben nur Sex gefunden, sondern auch ihre grosse Liebe und führen heute ein glückliches Familienleben mit Kindern. 


Das heutige The Gambia, welches sich 1965 von der Knechtschaft des Vereinigten Königreich Grossbritannien loslöste, ist zu 90% muslimisch, das Christentum hat einen kleinen Anteil in der Gesellschaft. Wer jetzt aber mit Vorurteilen loslegen will, dem sei gesagt, alle ansässigen Religionen akzeptieren sich und leben in Frieden und Freund-schaft zusammen. The Gambia, das westafrikanisches Land hatte sicherlich interne politische Konflikte, stand mehrmals am Rande eines Bürgerkrieges, die Vernunft siegte jedoch stets und mit dem amtierenden Präsident Adamo Barrow werden Anstrengungen unternommen, nicht nur den Tourismus zu fördern, sondern auch ausländischen Investoren The Gambia schmackhaft für Investitionen zu machen. Das Resultat ist, Hotelketten haben die Smiling Coast entdeckt, sie bringen Devisen ins Land, was für die gambianische Wirtschaft existentiell von grosser Wichtigkeit ist. Funktioniert die Wirtschaft, haben die Menschen Arbeit und Auskommen, umso weniger hegen sie Gedanken, ihre Heimat über gefährliche und todbringende Pfade zu verlassen.

 

Ich war keine drei Monate in The Gambia, hatte für diese Zeit ein Drei-Monats-Visum und für mich war es so klar wie Ajaxklar, ich wollte nicht mehr in die Schweiz zurück, jedenfalls nicht JETZT, sondern SPÄTER und dann nur deshalb, um mich offiziell vom Staat, von Freunden und Familie zu verabschieden. Nun aber brauchte ich ein neues Visum, am besten ein Jahresvisum. Nichts Einfacheres als das, ich meldete mich bei der Immigration Police, reichte vier Passfotos und meinen Passport ein, bezahlte umgerechnet 60.00 US-Dollar und nach 45 Minuten hatte ich den Jahresaufenthalt. Nun durfte ich Aus- und Einreisen wenn immer ich wollte. Das gesamte Immigration Team, vorab der Immigration Chef, waren sehr höflich und herzlich, dass sie mich nicht gleich zum Dinner einluden war alles. Unter Schwarzen gibt es eine sehr wichtige Etikette, sie alle nennen sich Bruder und Schwester, damit wird ihre Ethno Zugehö-rigkeit unterstrichen. Und so kam es, dass mich der Immigration Chef mit einem Augenzwinkern und lächeln fragte, ob wir ihn an unsere Hochzeit einladen würde. Klar wenn ich schon seine Schwester Natasha heirate, dann muss ihr Bruder natürlich dabei sein. Handschlag gilt! 

 

Heute, 9 Monate später, bin ich nicht nur im Besitze eines Jahresvisums, sondern auch der Alien Card und einer TIN Nummer. Das gambianische Gesetz erlaubt mir nun, in meinem Namen Land zu erwerben, darauf zu bauen oder auch Eigentum zu erwerben. Des Weiteren bin ich berechtigt, Geschäfte zu betreiben. 

Meine Feststellung, der Staat The Gambia macht es Ausländern sehr einfach Fuss zu fassen, sie heissen Ausländer willkommen und tun alles, damit der Ausländer zufrie-den ist und sich wohl fühlt. 

 

Von Überflutung durch Ausländern die sich hier niederlassen, kann noch nicht die Rede sein und ich hoffe, dass dies nicht so schnell passieren wird. Ich wünsche mir für dieses sympathische Land eher eine kleine, dafür feine und finanziell potente Anzahl Ausländer. Des Weiteren wünsche ich mir, dass immer nach der Hochsaison wieder Ruhe in dieses kleine und beschauliche Land einkehrt.  

 

Meine Erfahrungen mit The Gambia sind überaus gut, die Menschen sind trotz ihres nicht einfachen Lebens sehr freundlich und hilfsbereit. Toubab, so werden Personen europäischer Abstammung genannt, können sich überall frei und sicher bewegen. Wenn es Kriminalität gibt, dann ist es meistens die Kleinkriminalität. Wenn man nicht aufpasst, kann es schon Mal passieren, dass dein Smartphone oder deine Geldbörse weg ist. Richtig schwere Verbrechen gehören der Seltenheit an, nicht zuletzt deshalb, da es unter der Bevölkerung bekannt ist, dass schlimmstenfalls auch die Eltern für die Tat ihrer Kinder gebüsst werden, auch deren erwachsene Kinder. Dies steigert den Druck, keine kriminellen Handlungen zu begehen. Andere Länder andere Sitten.

 

Das Freizeitangebot kann man nicht mit der Fülle einer Schweiz vergleichen, aber wer nach The Gambia kommt will mit Sicherheit keine Berge sehen, sondern tropische Traumstrände und vor allem, das atemberaubende und vielfältige Ökosystem mit ihrer afrikanischen Tierwelt. Für Ornithologen, bewaffnet mit einer guten Kamera und Zoom Objektiven, ist The Gambia ein wahres Paradies. Tief im Landesinneren, entlang des Flusses Gambia, kommen Abenteurer und Naturliebhaber auf ihre Kosten.

Die traurige Schattenseite dieses Landes ist, es zählt zu den ärmsten Länder dieser Welt. Ein Monatseinkommen, sofern wenn man Glück hat einen Job zu haben, liegt zwischen 40 und 60 USD. Dennoch, die Menschen hadern nicht mit ihrem Dasein, sie schlagen sich irgendwie immer durch und machen das Beste aus ihrer Situation. Die Kehrseite der Medaille ist, dass durch diese Armut die Lebenshaltungskosten gezwungenermassen tief sein müssen, dies wiederum kommt dem Expat zu Gute. Es ist kein Geheimnis, dass das vom Ausland nach The Gambia transferierte Geld eine x-fache Kaufkraft erlangt und somit lässt es sich in The Gambia leben wie die Made im Speck. Solange dieser Vorteil in Gambias Wirtschaft investiert wird und es bei den Menschen ankommt, solange sehe ich nichts Verwerfliches dahinter.

Das andere Gesicht, nebst 335 Sonnentagen, einladenden Traumstränden, freundliche Mensche, hervorragender gambianischer Küche und easy going life ist, wie beinahe überall auf diesem blauen Planeten, der Umgang mit der Abfallentsorgung. Wer kein Geld hat und arm ist, der verbrennt seinen Abfall vor dem Haus ohne Rücksicht ob es sich um Plastik, Autoreifen, Batterien oder Anderweitiges handelt. Als Schweizer steigt mir immer dann der Blutdruck hoch, wenn ich tatenlos zusehen und erkennen muss, dass der Umweltgedanke Fremdwort ist. Nicht nur einmal bin ich beim Spazieren gehen ausgerastet, laut geworden und habe klar meine Meinung zu diesem Desaster geäussert und siehe da, ich bin damit in konstruktive Gespräche verwickelt worden. Und jetzt das Gute, es gibt Hoffnung und Licht am Horizont. Das gambianische Recycling Unternehmen Plastic Recycling Gambia Ltd. www.plasticrecyclinggambia.com ist bestrebt, ein sauberes The Gambia zu lancieren. Dies wünsche ich mir von Herzen für ein Land, das ich mittlerweile lieb gewonnen habe. 

Als Auswanderer habe ich den sicheren Schweizer Hafen verlassen, mich in ein Aben-teuer gestürzt und dabei keine Sekunde bereut. Mir ist bewusst, die Schweiz ist eines der perfektesten Länder dieser Erde, aber genau dieser Perfektion wollte ich entfliehen um das un-perfekte kennen zu lernen. Vielleicht war es die Sehnsucht, nach dem ein-fachen und entschleunigten afrikanischem Leben. Eine Vision beschäftigt mich dennoch, ich möchte mitwirken, dass es dem einen oder anderen Mensch in Zukunft wirtschaftlich etwas besser geht. Das Werkzeug dazu ist mein Unternehmen und mein Produkt. Die Zukunft wird zeigen, ob aus meiner Vision ein echtes Projekt werden wird.

Hat dir dieser Inhalt gefallen, dann like und teile ihn!