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«Yes Sir, 

we have a nice flight».

REISETAGEBUCH

Air India Flug,

ein Abenteuerflug

25. Februar 2007 – Ein Knall, ein Ruck, Feuer und viele Fragen

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Schon vier Wochen zuvor, als ich mit meinem Mitarbeiter eine Air India Boeing 747 in Frankfurt bestieg, überkam uns ein äussert mullmiges Gefühl. Ein muffiger Gestank erreichte unsere Nase, unsere Augen zoomten auf zerissene Bodenteppiche, auf aus-gesessene, verbrauchte Sitzplätze, die Bordbeleuchtung war schwach und gelb-lich, wie die erste Kohlenfadenlampe zu Thomas Alva Edison-Zeiten. Aus längst ver-gangenen Zeiten schienen auch die Flight Attendants gewesen zu sein. Wir waren uns einig, dies muss ein Jumbo der ersten Baureihe sein. Wenn unser Auftrag in Indien nicht so wichtig gewesen wäre, wir wären auf den Absätzen umgedreht hätten den Flug verfallen lassen. Mir ahnte böses als ich Platz nahm.

Vier Wochen später – ich kam aus Bangkok wo ich noch eine Woche Urlaub mit meiner zukünftigen Frau genoss – und hatte um 8 Uhr indische Zeit meinen Anschluss-flug nach Frankfurt. Und wieder war es eine veraltete Boeing 747 der Air India. Na ja, irgendwie musste ich ja nach Hause kommen. Mittlerweile war ich bereits mehr als 24 Stunden ohne Schlaf als der Jumbo endlich abhob. Ich saas auf der rechten Seite, Fensterplatz und Direktsicht in den Schlund der zwei rechten Triebwerke. Wow, wie gut, links von mir blieben die zwei Sitzplätze frei, ein unbequemer liegender Sessel-schlaf ist immer noch besser als ein Schlaf im sitzen oder noch schlimmer, im sitzen und dazu der dementsprechende Sitznachbar, dachte ich.

 

Ich wollte mich hinlegen, aber ich durfte noch nicht, die Maximalhöhe war noch nicht erreicht, die Gurtenpflicht war noch bestehend. Dann aber die Erlösung, das Signal der Gurtenpflicht erlosch und sofort versuche ich wie ein müder Hund, mein Plätzchen so zu präparieren, dass es halbwegs erträglich wird. In etwas so schnell wie eine Narkosespritze wirkt, so schnell schlief ich ein. 

Dann ein lauter Knall, ein heftiger Ruck und ich lag ganz verstört zwischen Voderlehne und meinen Sitz eigeklemmt. Schlafdrunken wusste ich zuerst nicht wo ich bin. Ich kroch hervor und setze mich benommen auf meinen Platz. Ich hörte lautes Geschrei, sah in entsetzte Gesichter ohne zu verstehen was passiert ist. Sekunden später reali-sierte ich, dass ich in einem Flugzeug sitze. Mein Blick ging nach draussen, es war wie ein Messerstich, ich zuckte zusammen als ich sah, dass das äussere Triebwerk in Flammen stand. In Millisekunden gingen mir tausend Dinge durch den Kopf, chaotisch und undefinierbar. Was aber blieb war, Absturz und Tod. Ich krallte meine Finger in die Armlehne und beobachtete die unwirkliche Szene. Die Flammen, die ich sah, wurden blitzartig von der Feuerlöscheinrichtung und mit einem triebwerkeigenen Spe-zialgas gelöscht. Der Jumbo zog ein langer Rauchschweif hinter sich her. Saas ich in einem schlechten Bollywood-Film oder war dies Wirklichkeit? Noch war ich durch mein Schlafdrunken nicht klar im Kopf.

 

Ich hörte wirres Geschrei auf Hindi und Englisch, Frauen weinten, Kinder schrien. Die rechte Seite schrie auf die Linke Seite was sie sahen. Extrem chaotische Zustände und ich fest verkrallt sitzend auf meine Fensterplatz. 

So das wars dachte ich, mein Leben wird hier und jeden Moment beendet. Der Jumbo verlor an Höhe, der Schmerz in den Ohren wurde immer heftiger, ich sah ein Häuser-meer auf mich zurasen, es ist wie ranzoomen mit einem Objektiv. Plötzlich sah ich diejenige  Flight Attendant mit welcher ich noch am Boden einen netten small talk hielt. Sie schleppte sich den Gang hoch, dabei nutzte sie die Hilfe der Sitze. Normales gehen war nicht mehr möglich, die Neigung des Jumbos war zu extrem. Als sie mich sah, lächelte Sie mich mit ihren schönen Augen an, nutzte trotz Hektik das indische Kopfnicken und meinte, «Yes Sir, we have a nice flight.» 

Meine Augen klebten wahrhaftig an ihrem Gesichtsaudruck, die Situation wollte ich einstufen können. Und dieses mal aber empfand ich das indische Lächeln, die schönen Augen weniger erotisch als mehr den Versuch, mich und andere Fluggäste zu beruhigen, der indische Head bobble interpretierte ich als Alles okay Sir, zumindest so habe ich es mir eingeredet. 

Dann war sie weg, und mit ihr mein Schutzengel, so empfand ich es in dem Moment. Meine Ohren schmerzten, der Druckausgleich half ein wenig, unter mir soweit das Auger reicht, nur Haus an Haus und ich wusste, wir werden auf eine Stadt stürzen. Nochmals, in atembraubender Geschwindigkeit, liefen Bilder in meinem Kopf ab, unsortiert, schnell, zusammenhanglos. Es musste ja schnell gehen, denn der Aufprall stand kurz davor. Auf einmal spürte ich eine innerer Ruhe, es wurde mir alles egal, ich habe abgeschlossen, ich wusste der Tod wird schnell und schmerzlos werden. Dann, als ich bereits die Häuser klar und deutllch erkennen konnte, fast schon greifbar nahe waren schloss ich die Augen, drückten meinen Körper in den Sitz und wartete auf das urplötzliche und nicht spürbare Ende.

Dann ein starkes rütteln, mein Körper wurde nach vorne gedrückt, ich öffnete die Augen und sah eine Landebahn. Ich schrie etwas in English, weiss aber nicht mehr was. Ich konnte nicht glauben, das Leben hat mich wieder. Ich bin zwar ohne einen pysiologischen Schaden davon gekommen, nicht aber ohne einen psychologischen. 

 

Die Hektik im Flugzeug wich Beschimpfungen an das Kabinenpersonal, an den Flug-kapitän und an die Fluggesellschaft. Ein Shuttlebus brachte hunderte von Fluggäste

zum Flughafengebäude. Und erst als ich die Flughafenschilder sah, realisierte ich, dass ich wieder in New Delhi bin.

 

Nun begann ein mühsames warten. Die verantwortliche Fluggesellschaft musste sich vermutlich selbst zuerst fangen um danach schnelle Lösungen zu finden. Viele Gäste dieses Fluges, so fand ich heraus, sind im Transit nach Los Angeles unterwegs und waren nervös, den Anschlussflug in Frankfurt zu verpassen. Der Unmut war stark, ihren Emotionen liessen sie freien Lauf, waren aufgebracht, waren auf Streitkollision mit dem Bodenpersonal. Dazwischen Babies die schrien und Kleinkinder die nörgelten. 

 

Auf einmal wurde es mir zu bunt und Lauthals schrie ich, dass sie doch endlich das Maul halten und Dankbar sein sollen, dass sie noch leben. Half natürlich auch nichts.

Dann auf einmal wurde ich auf eine Seite zu einer kleineren Gruppe gewunken. Was nun kam, das konnte ja nur so kommen. Wir wurden ein bisschen ausserhalb vom Flughafen in ein Nobelhotel untergebracht mit dem Hinweis, dass wir morgen Früh um 5 Uhr vom Shuttlebus abgeholt und auf den Flughafen gefahren werden. Pünktlich um 8 Uhr starte der Flug nach Frankfurt.

Nun stand ich unter Druck, irgendwie musste ich meine Freundin in Bangkok tele-fonisch erreichen, denn, sie kannte meine Schweizer Ankunftszeit und wird mich tele-fonisch suchen. Nicht gut, wenn mein Mobile nicht anwählbar ist. Okay, kein Problem, übers Zimmertelefon lies ich mich auf ihr Mobile verbinden und schon hatte ich sie am Draht. Sie verstand die Welt nicht mehr, sie wusste nicht was ihr geschah. Zuerst noch machte ich dumme Witze ich wäre immer noch in Bangkok, hätte die Nacht durch-gefeiert und den Flug verpasst. Wow, Blitz und Donner erreichte mich durch das Telefon. Irgendwann dann, erlöste ich sie und erzählte die wahre Story mit Air India. Dann ein weiteres Mal ein Donnerwetter, bezogen auf den Abschied in BKK als ich sagte, bye, maybe forever. Sie schaute mich an und fragte warum. Ich erwiederter, dass sie doch wisse, ich fliege mit Air India und die könnte uns trennen. Der schwarze Humor kam nicht gut an, der Aberglaube in Geister ist gross und einen moment lang war sie sehr sauer auf mich. Und nun telefoniete ich aus New Delhi und beinahe wäre das passiert, was ich mit meinem schwarzem Humor herauf beschwört habe. 

 

Bis heute muss ich aufpassen wenn ich dieses Thema anspreche, oder sonst irgend-welche dumme Witze über Leben und Tod mache, sonst hängt der Haussegen eine Zeitlang schief :-)

Trotz den Vorkommnissen, Air India brachte mich am nächsten Tag sicher nach Frank-furt, ein weiteres Mal saas ich in einem Jumbo. Zu erwähnen ist, die Trilogie nahm deshalb diesen Lauf, weil das Bordpersonal nicht in der Lage war, eine Durchsage zu machen was passiert ist und was dagegen gemacht wird. Wir die Fluggäste, wurden in dieser schwierigen Situation alleine gelassen, hätte man uns gesagt, es gäbe eine 

kontrollierte Notlandung auf dem Flughaben New Delhi, dann wäre alles etwas geord-neter abgelaufen. 

 

Persönlich habe ich die Erfahrungen daraus gezogen, dass ich NIEMEHR Air India, diese staatliche Fluggesellschaft fliegen werde. 

Und wieder, ich komme immer wieder auf meinen Punkt zurück, weshalb ich Indien so liebe. Es ist so fürchterlich verrückt und gleichzeitig so hammergeil, ein Land das für mich passt, vielleicht, weil auch ich ein bisschen verrückt bin. Hmm?

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