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MALABARKÜSTE

PFEFFERKÜSTE

REISETAGEBUCH

Malabar,

die Pfefferküste

7. Juni 2014 – Einen Tag unterwegs mit dem Motorroller

Tourbeginn war um 8 Uhr morgens. Ich schaute in den Himmel, sah dunkle Wolken. Diese veranlassten mich meinen Regenschutz einzupacken. Bis am Abend jedoch stellte es sich heraus, ich sollte ihn nicht gebrauchen.

 

Einen Plan hatte ich nicht. Nach dem Motto Wohin der Wind mich weht oder, Wohin der Motorroller mich bringt, ging es zuerst mal raus aus Alleppey. Es ist ein Samstag, der Verkehr noch erträglich. Schnell erreichte ich die VCNB Road, eine Paralellstrasse zur stark befahrenen und nicht unbedingt attraktiven Salem-Kochi-Kanyakumari High-way. Ich fahre nördlich, zur Linken die Malabarküste  die sich mir jedoch verbirgt, da sie rund einen Kilometer von der VCNB Road entfernt verläuft. Regelmässig führen ganz schmale Schotterstrassen schnurgerade zur Küste, links und rechts die typi-schen kleinen Häuschen der Fischer. Immer wieder verliess ich die VCNB Road, welche mich zur Mararikulam Beach und an die noch weiter entferntere Andhakaran-azhi Beach führen sollte. Immer wieder stieg die Spannung an, denn ich wusste nicht, was mich erwartete. Die erste Beach am heutigen Tag war die Thumpoy Beach, ein sehr breiter Sandstrand empfing mich. Die Mineralien im Sand glitzerten im Sonnen-licht, die Brandung war ruhig, die Wellen sanft, das Rauschen des Meeres beruhi-gend. Ich blickte ins Meer hinaus Richtung Westen dort wo Afrika lag und sinnierte. Ich schaue nach links, ich schaue nach rechts, soweit das Auge reicht nur Kokosnuss-palmen und ich als einziger weit und breit, stand inmitten dieser Szenerie.

 

Was für ein berauschendes Gefühl keine westlichen Touristen zu sehen, keine an sich reihende Liegestühle und Sonnenschirme welche die Sicht versperren, keine Strand-verkäufer die dich dauernd stören und dir was verkaufen wollen, und kein Motorenlärm von Wasserscooters. Ich dachte, zum Glück weiss die übrige Welt noch nichts davon wie paradisisch schön Südinden ist.

 

Nun wollte ich die nächste Beach sehen, diesbezüglich musste ich entweder der Beach entlang laufen oder zurück auf die VCNB Road um zwei Kilomenter weiter wieder links zur Vikasanam Beach abzubiegen. Ich wählte den letzteren Weg. Der Küstensaum mit den Kokosnusswälder spendet Schatten nicht nur für mich, sondern auch für die Menschen die hier leben. Wie immer, ich wurde von Kindern, Frauen und Männern freundlich begrüsst. So viele Good Mornings und Namaste's streicheln das Herz, ein Morgen kann nicht besser beginnen. Die zweite Beach, sie war wesentlich schmaler aber nicht weniger romantisch. Zwischen den Kokosnusspalmen warteten buntbemalte Fischerboote auf ihren Einsatz und die Häuser der hier wohnenden sind im Dickicht der Palmen kaum auszumachen, dennoch sie lagen sehr nahe am Wasser. Schlagartig dachte ich an den Tsunami, würde er hier kommen, niemand hätte die geringste Chance zu entkommen.

 

An dieser Beach war ich nicht alleine. Ein Schar Kinder spielten den indischen Nationalsport Cricket und sie wollten, dass ich Fotos von ihnen mache. Äusserlich sah man es ihnen an, dass sie zu einer ärmeren Kaste gehören, doch in ihren Gesichtern und Augen war Wärme und Freundlichkeit. Am Schluss der Photosession gab ich ihnen 200 Rupees (3.50 CHF) mit dem Hinweis sie sollen sich Icecreme kaufen. Die gesamte Schar jubelte und bedankte sich. Sie konnten, so denke ich nicht verstehen, dass sie einen Tageslohn eines Keralaners erhielten nur dadurch, dass sie ein wenig Model standen und freundlich waren. 

 

Wieder ging es auf die VCNB Road zurück und in Richtung Mararikulam Beach. Vorbei am Indischen Leben, vorbei an vielen Kirchen vorbei an Flüssen und kleinen Seen. Diese reine, wilde Schönheit genoss ich indem ich den Gashebel reduzierte und ganz gemächlich in einem hohen Gang dahin tuckerte.   

 

Bereits nach 15 Kilometer erreichte ich den verschlafenen Fischerort Mararikulam. Die Zeit hier scheint stehen geblieben zu sein. Die Menschen sind seit Generationen Fischer. Das beschauliche, die Ruhe fällt auf. Die natürliche Umgebung, die Palmen-haine, die tropischen Fruchtplantagen, das Arabische Meer und der ockerfarbige Sandstrand strahlt auf mich Sorglosigkeit, eine einzigartige Atmosphäre aus. Hier sind lange Strandspaziergänge möglich oder man kann einfach im Schatten eines Mangobaumes dem Rauschen des Meeres zuhören. Die Mararikulam Beach ist der beste Badeort Keralas und ein weiteres Tor zu den nahegelegenen Backwaters. Ich verweile hier für zwei Stunden, dann ging es weiter Richtung Andhakaranazhi Beach. 

 

18 Kilometer später erreichte ich Andhakaranazhi, ebenfalls ein verträumtes, von westlichen Touristen unbekanntes Fischerdorf. Man behauptet, hier sehe man den schönsten Sonnenuntergang der Malabarküste nämlich dann, wenn der orange Ball der Sonne in das tiefblaue Arabische Meer versinkt. Ich kann es nicht bestätigen, denn bei mir ist es Mittag und bis zum Abend noch lang. Aber was ich loswerden muss ist, dass der Strand sauber, das Wasser kristallklar, die Umgebung makellos, unberührt und unverdorben erscheint. God's Own Country zeigt sich von der besten Seite. Auch hier bleibe ich für rund zwei Studen um dann die Heimreise anzutreten. 

 

Ich fuhr den gleichen Weg zurück, nun aber war die Backwaters Seite an der Reihe, die ich aber in einem der nächsten Berichte beschreibe. Langweile – Fehlanziege – es gab immer etwas Neues zu entdecken. Ich nahm mir Zeit, sehr viel Zeit. Oft stellte ich den Motoroller auf den Seitenständer und beobachtete das rege Treiben der Menschen, oft, fast zu oft, wurde ich in Small Talks mit der lokalen Bevölkerung einge-bunden was zur Folge hatte, dass ich erst gegen 16 Uhr die Alleppey Beach erreichte, wo ich sitzend am Strand das Erlebte verarbeitete. 

  

50 Meter vor mir sassen drei Lifeguards unter ihren Sonnenschirmen und beobach-teten die wenigen, im Meer badenden Strandgäste. Hier sind die Wellen und die Strö-mungen nicht ungefährlich und wenn die Trillerpfeife der Lifeguards ertönt, müssen alle das Wasser verlassen. Die Lifeguards beobachteten mich neugierig und bald darauf winkten sie mich zu sich. Ein Strandstuhl wurde mir angeboten und ein reges, nettes Gespräch entstand. Im Laufe des Gesprächs fragte mich einer der dreien was ich in einer Stunde machen werde. Ich erwiederte, dass ich mich hier an der Beach noch ein wenig herumschlagen werde, um dann in meinem Gästehaus auf der Veranda den Abend zu geniessen. Er meinte, ich solle in einer Stunde wieder hier sein, denn er lade mich zu ihm nach Hause ein, er wolle mir seine Familie vorstellen. So war es dann auch, 75 Minuten später sass ich bei ihm zuhause im Wohnzimmer und sein jüngster Spross in Pampers bei mir auf dem Schoss. Seine zwei anderen Töchter waren überaus aufgestellte, lustige und neugierige Mädchen, die ihre Spässchen mit mir machten. Ich fühlte mich augenblicklich wohl in dieser Familie. In der Küche nebenan bereitete die Frau des Gastgebers ein frisches Fish Curry, auch Fish Masala gennannt, zu. Der Duft der mich ummantelte liess erahnen, wie fein ich in wenigen Minuten essen werde. So ist es dann auch geschehen. Ein kulinarischer Höhepunkt an diesem Tag, mit dem ich so am Beginn des Tages nicht gerechnet hätte.

 

Der Gastgeber erzählte mir von seiner Tätigkeit als Lifeguard und dass er regelmässig in Not geratene Badende retten muss. Aber auch von Einsätzen, wo Menschen nur noch tot geborgen werden. Sein Monatslohn von 12'000 Rupees (260 CHF) ermög-liche es, mehr schlecht als recht zu leben. 

 

Es ist bereits dunkel als ich mich von der Familie verabschiedete mit dem Verspre-chen, dass ich sie wiedersehen werde. 10 Minuten später war ich zuhause ange-kommen, müde, erschöpft von der Hitze aber überaus glücklich. Der durch die indische Sonne erhitzte Körper fand auch unter der Dusche keine Abkühlung, denn das auf dem Dach, im Tank von der Sonne aufgeheitzte Wasser, war sehr warm. Erst die Aircon danach, kühlte mich ab in heimische Temperaturen.

 

Mit wunderschönen Gedanken entschlief ich in die indische Nacht.

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