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Keralas

Backwaters

2. Juni 2014 – Keralas backwaters, ein Juwel Indiens

1/11

Als Vasco da Gama 1498 sein Fuss auf das Land setzte hat er damit den Seeweg nach Indien gefunden. Gerne würde ich ihn Fragen welches Gefühl ihn beschlich, ob er von der Stille und Einsamkeit überwältigt war, oder ob er in den dichten Kokosnuss- und Mangrovenwäldern Unheil fürchtete.

 

Es ist 7:30 Uhr in Alleppey auch Alappuzha genannt, mein Gastgeber Mathew bringt mich an den Pier, dort wo Fischer-, Schul-. aber auch Touristenboote den Tag be-ginnen. Die Temperaturen sind um diese Zeit noch angenehm, nicht aber das obligatorische Hupen der motorisierten Strassenbenutzer. Horn Okay Please gehört zu Indiens Indetifikation, sei es auf der Strasse, auf den Wasserstrassen oder auf Bahnschieben. Für mich ist es der Sound of India und wäre dieser Sound verstummt, würde ich mich fragen ob ich in Indien bin. 

 

Am Pier wartete bereits Antony, der Freund von Methew und mein Tourguide für einen aussergewöhnlichen Trip. Mit einem freundlichen Lächeln, meinem antrainierten indi-schen Kopfrollen, genannt Head bobble und mit einem Namaste begrüsste ich ihn und ich fühlte, wir sind uns bereits sympatisch. So war es dann auch.

 

Bald schon legte die Fähre ab und wir kreuzten Wasserstrassen und Wasserkreuz-ungen, vorbei an lachenden und winkenden Menschen an den Ufern der Backwaters. Schulkinder in farbenprächtigen Schuluniformen, den Schulranzen auf dem Rücken, die Mädchen mit langen schwarzen, zu Zöpfen geflochten Haaren und mit frischen Lotusblumen geschmückt.

 

Ich fühlte, das Fährboot wollte dem hektischen Treiben des Landlebens entfliehen, entfliehen in eine Welt der Ruhe, eine Ruhe die auch ich sehnlichst suchte. Antony las die Morgenpost und ich unterhielt mich mit drei Boys die auf dem Weg zur Schule waren. Wie es so ist in Indien, die Menschen sind sehr fotogen, selbstbewusst und offen. Berührungsängste darf man als Westler nicht haben, denn der Körperkontakt der Inder ist legendär. So kam es, dass die Jungs wollten, dass ich sie fotografierte und sie lachten aus vollen Herzen, als sie die Digitalaufnahmen von sich sahen. 

 

Immer weiter und weiter entfernte sich das Fährboot der Zivilisation, das Gesicht Indiens veränderte sich stetig. Ich sah kleine Fischerboote die ihren Fang nach Hause schifften, ich sah Fischer die ihre Netze reparierten, ich sah Frauen in den buntes-ten, prächtigsten Saris auf dem Weg, ich weiss nicht wohin. 

 

Dann nach 1.5 Stunden hatten wir das Ziel erreicht. Nun hiess es das Fährboot zu wechseln, denn ab sofort gab es kein durchkommen mehr. Antony erklärte mir, dass wir nun tief in die Mangrovenwälder eintauchen, dorthin wo seine Familie lebt und sein Haus steht. 10 Minuten später sass ich in einem Kanu und wir paddelte gemächlich den schmalen Wasserkanälen entlang. In wenigen Minuten verlor ich die Orientierung, ausgelöst durch einen Irrgarten von Kanälen und Wasserkreuzungen. Das Himmels-dach war kaum zu sehen, ja ich war im Mangrovendschungel Südindien angelangt. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen frage ich Antoney ob es hier eventuell Krokodile gibt, er aber verneinte elegant mit einem indischen Lächeln, wies mich aber darauf hin, dass es Schlangen gibt. Cool, gefressen werde ich demnach nicht nur tödlich gebissen, erwiederte ich. Sein grinsen beruhigte mich, denn ich wusste bereits, er ist Backwaters Dundee, aufgewachsen in dieser fantastischen und antemberaubenden Natur.

 

Um ca. 10 Uhr war es dann soweit, wir erreichten sein Haus. Freundlich wurde ich von seiner Frau und seinem 13 jährigen Enkelkind begrüsst. In einem ganz kleinen Häus-chen, sehr bescheiden nach unseren westlichen Vorstellungen, nahm ich Platz, denn Breakfast stand auf der Tagesagenda. Rein vegetarisch aber sowas von gut, man kann in Worten kaum beschreiben. Das hauseigene Masala raubte mir die Sinne, ich fühlte mich im Schlaraffenland. 

 

Irgendwann ging es mit dem Kanu weiter, denn wir hatten noch einen langen Tag vor uns. Sein Enkelkind war mit von der Partie und er stellte sich kurz darauf als wertvollen Passagier heraus. Denn bald steckten wir mit dem Boot fest. Lotusblumen so weit das Auge reichte versperrten den Kanal. Und immer dann, wenn es kein Durchkommen mehr gab, halfen auch die Menschen am Ufer uns zu befreien.   

 

Wir paddelten in drei bis fünf Meter breiten Wasserstrassen, am Uferrand waren Menschen, sie badeten, machten Körperflege oder die Frauen waschten die Wäsche. Sie standen mit ihren Saris im Wasser und lachten laut und herzlich als ich fragte ob ich sie fotografieren dürfe. Und ja, wie wenn sie es wissen das sie fotogen sind, immer wieder bejahten sie meine Frage.

 

Immer wieder öffnete sich der Mangrovendschungel und ich blickte auf, im Sonnen-licht, schimmernden Süsswasserseen. Antony steuerte direkt in die Weiten des Sees zu und auf einmal, tauchte am Horizont eine Insel auf. Diese Insel war nach Stunden im Kanuboot die Gelegenheit, die Füsse zu vertreten und den Hintern zu entlasten. Die Insel war höchstens 20 x 20 Meter aber es gab ein winziges Häuschen und sogar einen Bewohner. Mit frischer Kokonussmilch stillten wir den Durst, danach, so konnte ich rechnen, müsste es eigentlich wieder zurück gehen, denn in den Tropen wird es pünktlich und sehr schnell dunkel.

 

Und wieder gleiten wir vorbei an Palmenwäldern, an Bananenstauden, sehen ein gemächlich wirkendes Mangrovenleben. Ich sehe aber auch Indische Liebespaare, die ganz züchtig ihre Liebe dem Partner zeigen. 

 

Der Ruf der Natur hört man hauptsächlich von Vögeln. Hier ist auch der Kingfisher aus der Famile des Eisvogels beheimatet. Nach diesem Vogel ist auch das Indische Bier, aber auch eine Airline benannt. Meine Kamera im Anschlag und ich versuchte diesen wunderschönen Vogel abzuschiessen. Es gelang mir nicht wirklich ein super Foto zu schiessen.

 

Der Weg führte zurück zur Basis, jedoch über andere Wasserwege als wir gekommen sind. Ohne Antony wäre ich zum Robinson Crusoe geworden. Aus diesem Mangrovendschungel mit einer Fläche von 1900 km² heraus zu finden ist ein sehr schwieriges unterfangen. Schlussendlich erreichten wir sein Zuhause und ein weiteres Mal wurde ich verköstigt und ein weiteres Mal raubte es mir die Sinne. Mein Geschmacksorgan fühlte sich paradisisch wohl.

 

Nun wechselten wir das Boot ein weiteres Mal, es war das Fährboot welches mich nach 10 Stunden wohlbehütet nach Alleppey zurück brachte. 

 

Heute habe auch ich zum ersten Mal meinen Fuss auf die Backwaters gestellt und ich war erschlagen von der Ruhe und Einsamkeit, von der Schönheit dieser Mangroven-wälder. Die Frage an Vasco da Gama hat sich erübrigt, die Backwaters sind ein offenes Buch, geschrieben vom besten Autor der Welt, der Natur. Ich durfte ein Stück Paradies kennen lernen und ich werde mit Sicherheit immer wieder mal zurück kehren. Dann aber für längere Zeit, denn da draussen scheint die Zeit stillzustehen, und ich sah romantische Bungalows in einer Oase der Stille die zu meinem Zuhause werden könnten.

 

Nun aber hat mich das Festland wieder, auch der Sound of India, aber ich bin so müde, dass ich diesen Sound sogar spirituell empfinde und mit ihm einschlafe.

 

Tipps zur Anreise

Kerala liegt im Südwesten Indiens. Die Backwaters sind über Kochi und Calicut, als auch über Thiruvananthapuram (Hauptstadt von Kerala) erreichbar. Du erreichst eine dieser Städte per Flugzeug von Mumbai oder Delhi aus. 

 

Ich habe gute Erfahrungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht, sie sind sehr günstig, fahren relativ sehr pünktlich und sind vor allem ein Wahnsinns Erlebnis durch die nähe zu den Einheimischen.

 

Wenn du an einem Ort bist wo du dich ein paar Tage aufhalten möchtest, so empfehle ich dir, ein Motorcycle zu mieten. Aber aufgepasst, der Indische Strassenverkehr ist das Non Plus Ultra an orgnisiertem Chaos. Du musst dich dem Verkehr anpassen, dann wirst du bemerken, dass die indischen Verkehrsteilnehmer doch sehr rücksichts-voll fahren.

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